Weltweit sind aktuell über 21 Milliarden IoT-Geräte vernetzt – von intelligenten Sensoren und Überwachungskameras bis zu vernetzten Druckern und Produktionsmaschinen. Laut IoT Analytics wächst die Zahl dieser Geräte um 14 Prozent pro Jahr. Doch während die Vernetzung zunimmt, entsteht parallel ein gefährliches Problem: Viele Unternehmen haben den Überblick verloren, welche Geräte tatsächlich in ihrem Netzwerk aktiv sind.
Das Problem liegt nicht in der Zahl, sondern in der Kontrolle
Das eigentliche Sicherheitsrisiko entsteht nicht durch die schiere Menge vernetzter Geräte, sondern durch fehlende Verwaltung und Sichtbarkeit. Device Authority, ein führender Anbieter für IoT-Sicherheit, identifiziert ungemanagte IoT-Geräte als einen der größten und am wenigsten verstandenen Sicherheitsblindflecken des Jahres 2026.
Als „ungemanagt“ gelten Geräte, die nicht ordnungsgemäß inventarisiert, authentifiziert oder durch Sicherheitsrichtlinien überwacht werden. Das können Altgeräte sein, die vor Jahren installiert wurden, temporäre Sensoren aus abgeschlossenen Projekten, von Dienstleistern eingebrachte Hardware oder Geräte aus Unternehmensübernahmen. Im Gegensatz zu zentral verwalteten IT-Systemen operieren diese Geräte oft unbemerkt im Hintergrund.
Besonders problematisch: Viele dieser Geräte erscheinen auf Netzwerkebene legitim. Sie kommunizieren wie erwartet, erfüllen ihre Funktion und lösen keinen Alarm aus – bis sie kompromittiert werden.
Warum Angreifer ungemanagte Geräte bevorzugen
Ungemanagte IoT-Geräte sind für Cyberkriminelle besonders attraktiv, weil sie außerhalb der normalen Sicherheitskontrollen liegen. Laut aktuellen Daten von StationX sind 70 Prozent aller IoT-Geräte anfällig für Angriffe mittlerer oder hoher Schwere. Noch alarmierender: 98 Prozent des IoT-Datenverkehrs ist laut Palo Alto Networks unverschlüsselt.
Die Angriffszahlen sprechen eine klare Sprache: SonicWall verzeichnete im ersten Halbjahr 2024 einen Anstieg der IoT-Angriffe um 107 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Täglich werden weltweit über 820.000 IoT-Cyberangriffe registriert. Microsoft stellte in seinem Digital Defense Report 2024 fest, dass über 90 Prozent der erfolgreichen Ransomware-Angriffe ungemanagte Geräte als Einstiegspunkt nutzten.
Häufige Schwachstellen umfassen:
- Werksseitig eingestellte Standardpasswörter, die nie geändert wurden
- Veraltete Firmware ohne verfügbare Sicherheitsupdates
- Fehlende kryptografische Authentifizierung
- Keine Integration in Identitäts- und Zugriffsverwaltungssysteme
Einmal kompromittiert, dienen diese Geräte als Ausgangspunkt für weiterführende Angriffe im Netzwerk oder werden in Botnetze eingebunden. Da sie selten überwacht werden, können schädliche Aktivitäten über lange Zeiträume unentdeckt bleiben.
Das Sichtbarkeitsproblem: Man kann nicht schützen, was man nicht sieht
Im Kern des Problems steht mangelnde Transparenz. Viele Unternehmen verlassen sich auf Bestandslisten, die unvollständig, veraltet oder auf klassische IT-Endgeräte beschränkt sind. IoT- und OT-Umgebungen (Operational Technology) werden häufig von verschiedenen Teams mit unterschiedlichen Werkzeugen verwaltet.
Herkömmliche Erkennungsmethoden stoßen hier an Grenzen: Viele IoT-Geräte nutzen proprietäre Protokolle, arbeiten mit intermittierender Konnektivität oder befinden sich hinter Gateways. Einige sind an schwer zugänglichen Standorten installiert. Ohne vollständige Netzwerktransparenz treffen Sicherheitsteams Entscheidungen mit unvollständigen Informationen.
Warum herkömmliche Sicherheitstools versagen
Konventionelle Endpoint-Security- und IAM-Tools (Identity and Access Management) wurden nicht für IoT-Umgebungen in diesem Umfang entwickelt. Sie setzen voraus, dass Geräte Agenten ausführen können, regelmäßige Updates akzeptieren und Ausfallzeiten tolerieren. Die meisten IoT-Geräte erfüllen diese Anforderungen nicht.
Der Versuch, traditionelle Tools auf IoT-Umgebungen anzuwenden, führt häufig zu betrieblichen Reibungsverlusten oder Sicherheitslücken. Geräte werden entweder komplett von Kontrollen ausgeschlossen oder über manuelle Prozesse verwaltet, die nicht skalieren. Deshalb existieren ungemanagte IoT-Geräte selbst in Organisationen mit ansonsten ausgereiften Sicherheitsstrukturen.
Was können Unternehmen konkret tun?
Führende Organisationen setzen 2026 auf agentenlose Erkennungs- und Onboarding-Methoden. Diese Ansätze identifizieren Geräte anhand von Netzwerkverhalten, Protokollen und Kommunikationsmustern, ohne dass Änderungen am Gerät selbst erforderlich sind.
Nach der Erkennung können Geräte in ein kontrolliertes Sicherheitsframework integriert werden, in dem Identitäten zugewiesen, Richtlinien angewendet und Zugriffe kontinuierlich verifiziert werden. Dieser Ansatz ermöglicht es, ungemanagte Geräte unter Kontrolle zu bringen, ohne den Betrieb zu stören.
Konkrete Handlungsempfehlungen:
- Vollständige Inventarisierung: Nutzen Sie Netzwerk-Monitoring-Tools, um alle aktiven IoT-Geräte zu identifizieren – auch solche außerhalb der IT-Verwaltung
- Netzwerksegmentierung: Trennen Sie IoT-Geräte vom Hauptnetzwerk, um laterale Bewegungen von Angreifern zu verhindern
- Identitätsbasierte Sicherheit: Weisen Sie jedem Gerät eine eindeutige kryptografische Identität zu und verwalten Sie diese über den gesamten Lebenszyklus
- Zero-Trust-Prinzipien: Behandeln Sie jedes Gerät als potenziell kompromittiert und verifizieren Sie kontinuierlich Identität und Sicherheitsstatus
- Regelmäßige Audits: Überprüfen Sie periodisch, welche Geräte tatsächlich noch benötigt werden und deaktivieren Sie veraltete Systeme
Fazit: Vom Blindfleck zum strategischen Vorteil
Im Jahr 2026 sind ungemanagte IoT-Geräte kein Nischenproblem mehr, sondern eine systemische Herausforderung für Unternehmen jeder Größe. Die Organisationen, die erfolgreich sein werden, sind jene, die diese Realität anerkennen und mit identitätsbasierten, automatisierten und agentenlosen Strategien reagieren.
Wer ungemanagte Geräte in einen vertrauenswürdigen Rahmen integriert, schließt eine der gefährlichsten Lücken moderner Sicherheitsarchitekturen. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen operative Vorteile: Sie können fundierte Entscheidungen über die Stilllegung veralteter Systeme treffen, ihre Infrastruktur optimieren und neue Initiativen mit größerer Zuversicht skalieren.
Was einst ein Blindfleck war, wird so zu einer Quelle strategischer Erkenntnisse – und unterstützt sowohl Sicherheits- als auch Geschäftsziele.
Häufig gestellte Fragen
Was macht ungemanagte IoT-Geräte so gefährlich?+
Ungemanagte Geräte sind nicht inventarisiert, authentifiziert oder durch Sicherheitsrichtlinien überwacht, laufen aber unbemerkt im Netzwerk weiter. Laut StationX sind 70 Prozent aller IoT-Geräte anfällig für Angriffe mittlerer bis hoher Schwere, und 98 Prozent des IoT-Datenverkehrs ist laut Palo Alto Networks unverschlüsselt.
Wie stark hat sich die Bedrohung durch IoT-Angriffe 2026 entwickelt?+
SonicWall registrierte bereits im ersten Halbjahr 2024 einen Anstieg der IoT-Angriffe um 107 Prozent, weltweit werden täglich über 820.000 IoT-Cyberangriffe gezählt. Microsoft stellte zudem fest, dass über 90 Prozent erfolgreicher Ransomware-Angriffe ungemanagte Geräte als Einstiegspunkt nutzten.
Was können Unternehmen gegen unsichtbare IoT-Angriffsflächen tun?+
Wirksam sind eine vollständige, agentenlose Geräteerkennung, konsequente Netzwerksegmentierung sowie die Vergabe eindeutiger kryptografischer Identitäten je Gerät im Sinne von Zero Trust. Regelmäßige Audits helfen zusätzlich, veraltete oder nicht mehr benötigte Geräte zu identifizieren und stillzulegen.
